15.02.2017

VC Schlichtung 2017

Schlichtung oder was?

Nach jahrelangem, festgefahrenem Tarifstreit war am 20. Januar 2017 bekannt geworden, dass der UN-Diplomat Dr. Gunter Pleuger (75) eine Schlichtung zur Vergütung der Piloten zwischen Lufthansa und Vereinigung Cockpit bis Ende Januar durchführen wird. Die beiden Tarifparteien hatten sich im Dezember 2016 auf diese Schlichtung verständigt.

Forderung und Angebot

LH hatte zuletzt 4,4 % Gehaltserhöhung in zwei Stufen (April 2016 2,4 % - April 2017 2,0 %) und eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern für die 48 Monate von Mai 2012 bis April 2016 bei einer Laufzeit bis 31.03.2018 angeboten und gleichzeitig auf weitere Gegenleistungen verzichtet. Der Vergütungstarifvertrag Cockpit war bereits im April 2012 ausgelaufen.

Die Vereinigung Cockpit hatte für die Piloten der Lufthansa, LH-Cargo und Germanwings detailliert ab 1. April 2012 bis 31. März 2017 jeweils für 12 Monate 5,20%, 4,60%, 2,70%, 3,10% und 2,70% gefordert.

Zum Vergleich

Die Mitarbeiter des Bodenpersonals der DLH-Passage erhielten im Vergleichszeitraum zum 1.1.2012 3,50%, zum 1.8.2013 1,50%, (LHT und LCAG 2,4%) zum 1.8.2014 1,50% (LHT und LCAG 2,3%), zum 1.4.2015 2200 € als Einmalzahlung, zum 1.1.2016 2,20% und zum 1.1.2017 2,20%.

Das Festgehalt des Vorstandsmitglieds Carsten Spohr betrug 2013 840.938 €. „Befördert“ zum Vorstandsvorsitzenden erhöhte sich sein Festgehalt 2014 auf 1.038.000 €. Im Geschäftsjahr 2015 wurde dieses Gehalt um 169.000 € (+16,28%) auf 1.207.000 € angepasst. Mit Nebenleistungen und der variablen Vergütung betrug die Gesamtvergütung 2.048.000 €. Das Präsidium des Aufsichtsrats hat im Dezember 2015 die Grundvergütung des Vorstandsvorsitzenden ab 2016 um gut 14% auf ca. 1.376.000 € und die variable Vergütung um rund 5% erhöht!

Während der Schlichtung

Kurz vor Ende der Schlichtung hatte der LH-Vorstand vor einem zu hohen Tarifabschluss gewarnt und die Gründung einer neuen Gesellschaft als Konsequenz angedroht. Diesen erstmaligen Vorgang in der Tarifpolitik des Unternehmens prangerte die VC an und sie sprach von einem Einschüchterungsversuch auf den Schlichter.

Am 31. Januar 2017 endete die Schlichtung, über deren Verlauf alle Seiten Stillschweigen vereinbart hatten, ohne Einigung. Der Schlichter war nun gefordert, bis zum 10. Februar 2017 seine Schlichtungsschlussempfehlung vorzulegen. Das ist auch erfolgt.

Schlichtungsschlussempfehlung angenommen

Beide Tarifpartner hatten anschließend bis zum 15. Februar 2017 über die Inhalte der Schlichtungsschlussempfehlung intern getrennt beraten. Am gleichen Tag haben Lufthansa und Vereinigung Cockpit dann der Empfehlung des Schlichters zugestimmt.

Die VC spricht von einem „gerade so akzeptablen“ Ergebnis. So sollen die rund 5.400 KTV-Piloten der Lufthansa, Lufthansa Cargo und German Wings rückwirkend zum 1. Januar 2016 um 2,0% und ab 1. Januar 2017 um 2,3% erhöht werden. Ab 1. Januar 2018 soll eine Vergütungserhöhung um 2,4% und ab 1. Januar 2019 um weitere 2,0% erfolgen. Die 92 monatige Laufzeit der neuen DLH VTV Nr. 11, LCAG VTV Nr. 7 und GWI VTV Nr. 7 sollen am 31.12.2019 enden. Zuzüglich ist für den 44 monatigen Zeitraum vom 1. Mai 2012 bis 31.12.2015 eine versorgungsfähige Einmalzahlung von rund 5.000 bis 6.000 € (VC: rund ein halbes Monatsgehalt) bzw. im Gesamtvolumen von 30,4 Mio. € vorgesehen, die im Januar 2018 ausgezahlt werden soll. Die VC-Mitglieder werden bis Ende März 2017 in einer Urabstimmung über die endgültige Annahme, die von der Konzerntarifkommission empfohlen wird, entscheiden. Lufthansa kündigte an, sie wolle in den nächsten Wochen entscheiden, ob, abweichend von der bisherigen Planung, 40 neu zugehende Flugzeuge außerhalb des KTV bereedert werden sollen, um die nach eigenen Angaben jährlichen 85 Mio. € Zusatzkosten aus dieser Schlichtung kompensieren zu können. Das wäre die Fortsetzung der Tarifflucht.

Zu den offenen Themen „Betriebsrente“ und „Übergangsversorgung“ seien weitere Gespräche vereinbart worden.


Autor: Werner Langendörfer